© Anne Dill

Wüstenbrot. Ansprache zu Exodus 16 und Johannes 6,47-51 aus dem Gottesdienst am 30. März 2025 in Hardegsen (Anne Dill)

Tue, 01 Apr 2025 08:34:35 +0000 von Anne Dill

Gott schenke uns ein Herz für sein Wort und ein Wort für unser Herz.
Amen.
 
Endlos liegt die Wüste da. So weit. So heiß. So leer.
Keine Oase in Sicht. Nicht einmal ein bisschen Schatten. Nur der Sand und die große Leere.
 
Hunger haben sie. Die Vorräte gehen nun wirklich zu Ende.
Warum nochmal sind sie überhaupt losgezogen?
In Ägypten hatten sie wenigstens zu essen.
Die schwere Arbeit dort – vorher eine Qual – würden sie jetzt nur zu gern wieder in Kauf nehmen.
Die Freiheit, die Hoffnung auf das neue wunderbare Leben in der versprochenen neuen Heimat zählt nicht mehr.
Sie weinen, sie zweifeln, sie schreien.
Die Israeliten sind mit ihrer Kraft am Ende.
 
So haben wir es eben in der Lesung gehört.
Die Israeliten befinden sich nach ihrer Flucht aus Ägypten irgendwo im Nirgendwo, mitten in der Wüste.
Sie wurden verfolgt, sind knapp entkommen und stapfen nun seit Wochen schon durch den Sand.
Jetzt sind sie am Ende.
 
Doch Gott, der ist nicht am Ende. Er steht seinem Volk bei.
Vom Himmel schenkt er das Manna – Himmelsbrot.
Brot, das satt macht. Jeden Tag wieder.
Zu erklären ist das nicht. Doch die Israeliten können weitergehen auf ihrem Weg.
Die Wüste ist nicht kleiner geworden, das versprochene Land noch weit weg.
Aber jetzt haben sie neue Kraft.
Sie wissen: Gott ist mit uns.
 
So, wie wir diese Geschichte heute immer noch erzählen, wurde sie auch zur Zeit Jesu erzählt.
Gott ist mit uns – das haben sich die Menschen immer wieder gesagt. Darauf hofften sie.
Und so hat auch Jesus selbst über diese Geschichte gepredigt.
 
Ich lese den Predigttext aus Johannes 6:
(47) Jesus spricht:
Wahrlich, ich sage euch: 
Wer glaubt, der hat das ewige Leben.
(48) Ich bin das Brot des Lebens.
(49) Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben.
(51) Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist.
Wer von diesem Brot isst, wird leben in Ewigkeit.
Und das Brot, das ich geben werde,
ist mein Fleisch – für das Leben der Welt!
 
Als Jesus diese Worte spricht, hören ihm viele zu. Es ist eine richtige Menschenmenge, die dort zusammengekommen ist.
 Frauen und Männer.
Eltern und Kinder.
Alte, Arbeiter, Hausfrauen.
Zuversichtliche und Zweifler.
Deprimierte, Hoffnungsvolle und Verzagte.
Menschen, die das Leben mit seinen vielen schönen Seiten kennen, die Freude und das Glück.
Und die ebenso die Wüstenzeiten kennen, wenn nichts klappt und keine Kraft mehr da ist.
 
Jesus spricht nicht zu den Mächtigen.
Nicht zu denen, bei denen immer alles gut ist.
Die keine Probleme haben und ein Vorzeigeleben führen.
Er spricht zu denen, die sich auch ab und an in der  Wüste vorfinden.
 
So wie wir auch Wüstenzeiten kennen.
Wenn wir einsam sind, sind wir in der Wüste.
Wenn wir die Orientierung verloren haben und der Weg verwischt ist,
sind wir in der Wüste-
Wenn Gegenwind uns ins Gesicht bläst
und wir vorwärts stolpern, sind wir in der Wüste.
Die Israeliten haben in ihrer Wüstenzeit Manna bekommen.
Brot vom Himmel zum Leben.
Dieses Wüstenbrot gibt ihnen neue Kraft.
Und es zeigt: Gott ist da.
 
Und Jesus? Der sagt: „ICH bin das Brot des Lebens. […] ICH bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist.“
Das ist schon eine seltsame Vorstellung.
Wie soll man das verstehen – lebendiges Brot?
 
Brot ist für uns ein absolutes Grundnahrungsmittel.
Es ist in jedem Haushalt zu finden.
Es gibt Kraft und macht satt.
Brot gehört ganz selbstverständlich zu unserem Leben dazu.
Wer nicht einmal Brot hat, der ist wirklich arm.
 
Für uns Christen ist Brot aber noch auf andere Weise wichtig:
Wenn wir Abendmahl feiern,
versammelt vorm Tisch des Herrn,
dann ist Brot nicht einfach nur Brot.
„Das Brot des Lebens“ – in unsere Hand gelegt.
Darin das Versprechen: Jesus ist mitten unter uns.
 
„Das Brot des Lebens“ ist nicht beim Bäcker zu kaufen. Es ist Geschenk an uns.
„Das Brot des Lebens“ ist umsonst und es reicht für alle.
Immer wieder können wir das beim Abendmahl erfahren.
Es schenkt Kraft. Gibt neuen Mut zum Leben.
Darin die Hoffnung: Es gibt Leben, sogar nach dem Tod.
 
„Das Brot des Lebens“ ist für uns vom Himmel geschickt.
Denn wir sollen leben. Voll Zuversicht, voller Vertrauen.
Unsere Zweifel, unsere Sorgen, unser Unverständnis sind nicht einfach dadurch verschwunden.
Aber wir können sie vor Gott bringen
und am Tisch des Herrn in seine liebevollen Hände legen.
 
Vielleicht sehen wir dann das neue, versprochene Land direkt vor uns.
Vielleicht erahnen wir es nur weit hinten am Horizont.
Und vielleicht ist der Weg durch die Wüste auch noch lange nicht zuende.
 
Die Israeliten sind noch lange Zeit durch den Sand gestapft. Haben immer wieder geweint und geklagt, geschimpft und sich geärgert.
Immer wieder haben sie Mut und Kraft verloren.
Aber das Manna, das Brot vom Himmel haben sie jeden Morgen bekommen.
Jeden Tag zeigt Gott: Ich bin da für euch. Ich gehe mit.
Ihr sollt leben.
 
Amen.
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